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KOMPENDIUM DER PSYCHOLOGIE, 5. TEIL
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INHALT DES 5. TEILS
IX. DIE PSYCHISCHEN KRÄFTE (Die Triebe - Die Gefühle
[Emotionalität] - Die Interessen und Werte - Der Wille [Motivation]) ø
X. SOZIALPSYCHOLOGIE (Erscheinungsformen sozialer Kollektive - Soziale
Ränge und Mechanismen - Methoden der Sozialpsychologie) ø
XI. PERSÖNLICHKEITSPSYCHOLOGIE (Typologien) ø
Definition: Psychische Kräfte sind folgende seelische Prozesse, die hinter
den psychischen Funktionen stehen und diese aktivieren (vgl. Seite 1): Triebe, Gefühle,
Interessen und das Wollen.
Bewusstseinslage (Aktiviertheit), Emotionalität und Motivation werden als Hintergrundaktivität,
vor der Wahrnehmung, Denken und Lernen ablaufen, bezeichnet.
DIE TRIEBE
- Definition:
Triebe sind Drangerlebnisse, die autogen (von selbst und ohne Mitwirkung des
Bewusstseins) entstehen. Sie sind biologisch sinnvoll und angeboren, ihr Sitz ist in den
tieferen Gehirnlagen (Stammhirn, Zwischenhirn). Triebe gehen mit einer Verminderung der
Bewusstseinsklarheit einher und sind oft von Gefühlen begleitet.
- Einteilung der Triebe:
* Erhaltungstriebe: vitale Triebe, die der Erhaltung der
Art oder des Lebens eines Individuums dienen (zB Nahrungs-, Geschlechts-, Brutpflege-,
Flucht-, Schlaftrieb etc.
Diese Triebe lassen sich in eine Triebhierarchie einordnen (nicht jeder Trieb ist in
gleicher Weise auslösbar): der Fluchttrieb steht an erster Stelle, der Sexualtrieb an
letzter Stelle.
Folgende Konflikte
gibt es (nach LEWIN)
| ° Appetenz-Appetenz-Konflikt: Zwei anstrebenswerte Reize konkurrieren; Hinwendung zum einen bedeutet Entfernung vom anderen (zB Futter oder Brunftpartner; "Qual der Wahl"). | |
| ° Appetenz-Aversions-Konflikt: ambivalente Situation; (zB Futter befindet sich in einer angstmachenden Umgebung). | |
| ° Aversions-Aversions-Konflikt: Entfernung von einem Reiz bedeutet Annäherung an den anderen; beide sind negativ besetzt (zB beide Fluchtrichtungen sind durch einen natürlichen Feind versperrt; "Von zwei Übeln das geringere wählen"). |
* Soziale Triebe: Gesellschafts-, Machttrieb, Geltungsdrang
etc.
* Hedonistische Triebe: nach Genuss- und Suchtmitteln (erworben! Vgl. o.) Nach psychoanalytischer Theorie
Ersatzbefriedigung nach Ablenkung von einem ursprünglich sinnvollen Triebziel.
* Kulturtriebe: Wissens-, Erkenntnistrieb etc.; (keine physischen
Ausfallserscheinungen) Vgl. u. Interessen.
* Funktionstriebe: Spieltrieb, Drang, sich nach einer Ruhephase zu bewegen
etc; dienen der Entwicklung bzw. der Erhaltung von Fähigkeiten und Fertigkeiten.
- Verhaltensweisen; Grundbegriffe der Ethologie
(Verhaltensforschung)
Konrad
Lorenz (Abb. aus www.aeiou.at)
Triebe realisieren sich in im Laufe der Phylogenese immer komplizierter gewordenen
Verhaltensweisen, die von der Ethologie [begründet vom Österreicher KONRAD LORENZ (1903-1988, Univ.Prof.,
u.a. auf Kants Lehrstuhl in Königsberg, Direktor des Max-Planck-Institutes für
Verhaltensphysiologie; wichtigste Bücher: Aggressionstheorie "Das sogenannte
Böse"; biologische Erkenntnistheorie "Die Rückseite des Spiegels"; Ethik
"Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit"; Standardwerk
"Vergleichende Verhaltensforschung"; Alterswerk "Der Abbau des
Menschlichen"; vgl. Autobiographie),
dem Niederländer NIKOLAAS TINBERGEN (beide zusammen mit dem österr. Erforscher der
Bienensprache, KARL VON FRISCH Nobelpreisträger 1973) u.a.; sie wendet Fragestellungen
und Methoden der anderen Zweige der Biologie auf das Verhalten an -
"Tierpsychologie"] untersucht werden. (Zum Menschen vgl. "Der Mensch, mit
dem wir leben" von D. MORRIS.)
* Reflex: biologisch sinnvolle, über den Reflexbogen (Rückenmark)
unbewusst ablaufende, angeborene Organreaktion auf äußere oder innere Reize (Begriff von
DESCARTES)
Wegen des Biogenetischen Grundgesetzes von HAECKEL (jedes Lebewesen macht während seiner
Ontogenese noch einmal die Phylogenese durch) beim Menschen vor allem im Säuglingsalter
vorhanden (vgl. Seite 2). Beim
Erwachsenen zB Lidschlussreflex, Patellarsehnenreflex etc.
* Instinkt: biologisch sinnvolle, unbewusst ablaufende, angeborene, oft
komplexe Verhaltensweise, die in verschiedener Intensität (von der Intentionsbewegung bis
zur voll konsumierten Endhandlung), aber immer in derselben Reihenfolge abläuft und von
äußeren oder inneren Reizen ausgelöst wird (AAM = angeborener
Auslösemechanismus) Von LORENZ erbkoordinierte Bewegung genannt und dargestellt im
Psychohydraulischen
Modell:

Aus: Konrad Lorenz, Vergleichende Verhaltensforschung. Wien - New York 1982, p84
| ° Wasser: symbolisiert die Energie für eine Instinkthandlung; der Wasserspiegel zeigt das aktuelle Instinktpotential | |
| ° Hähne: symbolisieren die äußeren und inneren Reize | |
| ° Ablaufen des Wassers: symbolisiert das Ablaufen der Instinkthandlung | |
| ° Kork: symbolisiert die zu überwindende Hemmung |
Nach dem Homöostatischen Prinzip (Tendenz zur Herstellung eines inneren
Gleichgewichts) läuft die Instinkthandlung entweder von alleine ab (s. u.), wenn der Druck zu groß wird (der
Korken wird herausgedrückt, wenn eine gewisse Zeit vergangen ist), oder sie wird durch
einen Schlüsselreiz (s.u.) ausgelöst, der
dann im Modell durch eine rasch eingeschüttete Kanne Wasser symbolisiert wird
(Spannungsreduktion).
* Schwellenwert: Wert, der erreicht werden muss, damit eine Instinkthandlung
ablaufen kann. Er hängt von der Anzahl bzw. der Stärke (am stärksten wirkt der
Schlüsselreiz, s.u.) der Reize ab bzw. davon,
wie lange die erbkoordinierte Bewegung schon nicht abgelaufen ist (vgl. auch menschliche
Sexualität).
* Schlüsselreiz: ein eine Instinkthandlung
auslösender, in seiner Anordnung meist sehr einfacher Reiz, der bei Attrappenversuchen
durch eine "überoptimale" Nachbildung ersetzt werden kann (zB füttern Vögel
aufgrund eines roten Dreiecks, das bei gesperrtem Schnabel des Jungvogels, aber auch als
Pappdreieck auslösend wirkt.) Überzeichnete Auslöser bietet zB die Werbung oder die
Spielzeugindustrie, vgl. zB die nach dem Kindchenschema (der Mensch bevorzugt pausbäckige,
kleinnasige, runde Gesichtsformen) konstruierten Puppen. (= AAM, s.o.)
* Leerlaufhandlung: eine lange
nicht ausgeführte Instinkthandlung läuft nach einiger Zeit von alleine ab, auch wenn
kein Schlüsselreiz auftaucht (zB das "Vergraben" von Knochen im Parkettboden
bei Hunden, die Eirollbewegung ohne Ei bei der Graugans etc).
* Appetenzverhalten: das Suchen nach dem eine Instinkthandlung auslösenden
Reiz (umso motivierter, je länger keine Auslösung erfolgt ist). Vgl. auch Spezialhunger
nach lange entbehrten wichtigen Nahrungsbestandteilen, zB Kalk bei Hühnern.
* Prägung: die Fixierung eines Triebes auf ein Objekt (zB die von LORENZ
untersuchte Nachlaufprägung bei Gänsen: Ist das erste bewegte Objekt nach dem Schlüpfen
nicht - wie üblich - die Mutter, sondern eine Spielzeugzug oder ein Verhaltensforscher,
so wird das Küken ausschließlich diesem nachlaufen; der Mensch scheint zB auf die
Umgebung seines Aufwachsens geprägt zu sein).
* Aggression: ursprünglich dem Auseinanderhalten der Individuen (und damit
Abdecken einer größeren Lebensfläche mit mehr Nahrungsmöglichkeiten; vgl. das auch
heute noch vorhandene Bedürfnis des Menschen, ein Territorium abzustecken, zB durch
Aufsetzen eines Trinkglases an einer bestimmten Stelle des Tisches, seine Hände, einen
Gartenzaun etc.) dienender Trieb, der nach innerartlicher (intraspezifischer) und
zwischenartlicher (interspezifischer) Aggression unterschieden wird. Auf die ethisch
ursprünglich neutrale Wortbedeutung weist der Titel von LORENZ' Buch, "Das
sogenannte Böse", hin, in dem er eine Naturgeschichte dieses - auch menschlichen -
Grundantriebes versucht.
| ° intraspezifisch:
tritt vor allem in drei Bereichen auf: Revierkonflikte,
Fortpflanzungskonflikte (die durch nach festen Regeln ablaufende Ritual-
oder Kommentkämpfe ausgetragen werden) und
Herstellung einer Rangordnung (vgl. die 1922 in den Exen. von
SCHJELDERUP-EBBE untersuchte Hackordnung auf dem Hühnerhof oder das sog. a-Tier in der Affenhorde). Die Analogien beim Menschen untersuchte u. a.
DESMOND MORRIS in seinem Buch "The Game", in dem er das Fußballspiel als
Analogon zu Stammesritualen darstellt. Verletzungen sind selten, ein letaler Ausgang wird
meist durch die jedem Lebewesen eingebaute Tötungshemmung verhindert (beim Menschen v. a.
durch die Erfindung der Fernwaffen überlistbar). Aggressionshemmungen können durch
"Befehlsnotstand" oder dann, "when you put good people in an
evil place" (ZIMBARDO) überwunden werden, wie in zwei berühmt gewordenen
Exn., die allerdings nicht ausschließlich
Aggression im Fokus haben, untersucht wurde (sodass im Unterschied zum
Tierreich die menschliche Aggression oft letal endet): MILGRAM-Ex. (Stanley MILGRAM, 1933-1984; vgl. auch diese Seite): Vpn waren in einem vorgeblich der Wissenschaft dienenden Ex bereit, unter Anleitung einer "die Verantwortung übernehmenden" + Autorität mit Dominanz-Haltung Elektroschocks bis zu einer tödlichen Dosis wissentlich Menschen "zur Strafe nach missglückten Lernvorgängen" zu verabreichen, auch wenn sie die (in Wirklichkeit von einem Schauspieler vorgetäuschten) Reaktionen sahen. + Die Vp mit Komplianz-Haltung fühlten sich zwar schlecht, protestierten aber großteils nicht (je länger das Experiment dauerte, umso weniger; etwa 25% verweigerten gleich zu Beginn). MILGRAM verwies auch auf die Verantwortungsreduzierung in der Großstadt. (Tatsächlich besteht ein Zusammenhang zwischen Bevölkerungsdichte und Aggressionsdelikten.) vgl. folgende MILGRAM-Seite, "Autorität und Gehorsam", Links, eine Seite über Milgram und A Virtual Reprise of the Stanley Milgram Obedience Experiments Zu ZIMBARDOs Stanford Prison Experiment vgl. auch eine Seite der Univ. Köln Die gängigen Aggressionstheorien sind: +
tiefenpsychologische Theorien (v. a. die Triebtheorie von S. FREUD, der die
Aggression ursprünglich als Teil des Sexualtriebs, später als eigenständigen
Destruktionstrieb ansah)
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| ° interspezifisch: dient fast nur dem Nahrungserwerb (außer beim Menschen, dem Vertreter anderer Arten Auslöser oder Objekte aggressiven Verhaltens, das je nach Aggressionstheorie vielerlei Ursachen haben und bis zum Sadismus reichen kann, sein können). |
* Demutsgebärde: von LORENZ moral-analog genannte
Unterwerfungsgeste (bei manchen Tierarten zB Darbieten der Kehle), die den Kampf beendet
und die Tötungshemmung einschaltet. Erscheint beim Menschen im Grußverhalten
ritualisiert (zB den Hut ziehen, verbeugen)
* Übersprungshandlung: Bei Mensch und Tier in Konfliktsituationen zur
Überbrückung von Unsicherheit häufig auftretendes Verhalten (zB Kratzen hinter dem Ohr
etc.)
* Imponiergehabe: stellt Dominanz innerhalb der Art her. Durch Gesten,
Aufplustern usw. (beim Menschen auch durch Kleidung, Auto etc.) soll Wirkung auf die
Artgenossen erzielt werden.
DIE GEFÜHLE (EMOTIONALITÄT)
- Definition:
Gefühle sind seelische Zustände, die ohne Mitwirkung des Bewusstseins als
Reaktion auf inneres oder äußeres Geschehen auftreten und meist als angenehm oder
unangenehm erlebt werden (mit Ausnahme der nicht exakt einordenbaren Gefühle des Mitleids
und der Rührung). Beispiele: Ekel, Freude, Furcht, Liebe, Scham, Trauer,
Überraschung, Zorn
- Gefühlsmodi:
* Affekte: sind besonders starke Gefühle; sie bewirken
eine Ausschaltung des Bewusstseins, sodass für im Affekt (einer allgemein begreiflichen,
heftigen Gemütsbewegung, §
34, Z 8 StGB) begangene Taten vor dem Gesetz besondere Milderungsgründe angenommen
werden (sehr wohl aber besteht Verantwortlichkeit dafür, sich ev. fahrlässig in den
Zustand des Affektes begeben zu haben. - HORAZ: Der Zorn ist ein kurzer Wahnsinn.) Das
Auftreten der Erregung und ihrer physischen Begleitvorgänge (derselben wie bei Neurosen, s. o.) wird bei Affekten subjektiv spürbar, aber auch
objektiv messbar:
PGV: Die Psychogalvanische Reaktion kann aufgrund des bei stärkeren Gefühlen
veränderten Leitungswiderstandes der Haut mit einem Psychogalvanometer gemessen werden.
(vgl. auch Lügendetektor, dessen Nachteil allerdings darin liegt, nur einen
unspezifischen Spannungszustand, nicht dessen Grund erfassen zu können.
* Stimmungen: sind besonders lang anhaltende Gefühle, die immer am
menschlichen Leben beteiligt sind. (Es ist unmöglich, nicht irgendwie gestimmt zu sein.)
Man unterscheidet:
| ° Eukolie: gute Stimmung | |
| ° Dyskolie: Missstimmung | |
| ° Melancholie: Weltschmerzstimmung |
- Gefühlsstörungen (Parathymien):
* Torpide Form: Gefühlslähmung (im Extrem Hypothymie
genannt)
* Erethische Form: übersteigerte Gefühle (bis Hyperthymie)
- Einteilung der Gefühle
* triebbedingte Gefühle:
| ° vitale, zB Hunger-, sexuelle Gefühle | |
| ° soziale, zB Eifersucht (nach SCHLEIERMACHER "jene Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft"), Neid |
* empfindungsbedingte Gefühle: zB Kälte-,
Geschmacksgefühle
* persönlichkeitsbedingte Gefühle: zB Gerechtigkeits-,
Sympathie-, religiöse, ästhetische Gefühle
* sekundäre Gefühle: sie setzen andere Gefühle voraus, zB
Frustrationsgefühl (vgl. auch
Seite 2)
- Theorie der Gefühle
Gültigkeit hat zur Zeit die Zwei-Komponenten-Theorie von SINGER und SCHACHTER (vgl. folgende
Seite bzw. eine
Emotionstheorien). Es wird unterschieden zwischen
* Physiologischem Arousal: Die Beteiligung der unspezifisch erregten
entsprechenden Gebiete des ZNS (Formatio Reticularis, Limbisches System, Thalamus) ist
für alle Gefühle dieselbe (vgl. die beliebige Veränderbarkeit der Gefühlsbereitschaft
durch Psychopharmaka), und
* Kognition: Die spezifische Einfärbung eines Gefühls (die
"Bewertung" der Aktivierung der entsprechenden Hirnteile) erfolgt durch die
jeweils aus der Umgebung einwirkenden Reize.
Ex.: Zwei Gruppen von Vpn, die vorgeblich an einem
Wahrnehmungsexperiment teilnahmen, wurde ein Medikament, das die an Emotionen beteiligten
ZNS-Partien stimulierte, verabreicht. Beide Versuchsleiter, als Vpn getarnt, verhielten
sich emotionell: der eine negativ (wütend, ärgerlich etc.), der andere positiv (heiter,
glücklich). Die wahren Vpn wurden dadurch manipuliert und zeigten im Durchschnitt
dieselben Emotionen wie die heimlichen Versuchsleiter, schrieben sie aber der eigenen
Gemütslage zu.
Neuere Erkenntnisse der Gehirnforschung weisen darauf hin, dass Gefühle ihre Wirkung umso stärker entfalten, je intensiver man sich ihnen hingibt. Wiederholtes Erleben von negativen, aber auch positiven Gefühlen hinterlässt kortikale Spuren. Die alte "Dampfkesseltheorie", nach der es sinnvoll sei, sich mit seinem Schmerz ausführlich zu befassen (ihn zu bereden, sich zu bemitleiden oder Mitgefühl zu erhalten etc.), um ihn abzulassen, wird dadurch obsolet. (Bemitleidete Menschen empfinden ihr Unglück stärker, nicht schwächer!) Glück und Unglück lassen sich dem entgegen durch Verstärkung "einlernen".
- EQ (Emotionale Intelligenz)
1995 in seinem Bestseller EQ - Emotionale Intelligenz von Daniel
GOLEMAN vertretene Theorie bezüglich der Ergänzungsbedürftigkeit des
Intelligenzquotienten (IQ,
s.o.). Für beruflichen und privaten Erfolg sei der Emotionale Quotient
genauso wichtig. Der Begriff "Emotionale Intelligenz" wurde 1993 von Peter Salovay und John Mayer von der Yale-University
geprägt. Seit 2004 ist sie im MSCEIT (Mayer-Salovey-Caruso Emotional
Intelligence Test) messbar. (Teilbereiche des Tests: Wahrnehmung von
Emotionen - Verwendung von Emotionen zur Unterstützung des Denkens - Verstehen
von Emotionen - Umgang mit Emotionen)
* Emotionale Intelligenz: Zusammenfassende Bezeichnung für in
der Erziehung vermittelbare Tugenden wie Mitgefühl und Selbstbeherrschung (die
laut GOLEMAN zwei in unserer Zeit nötigen moralischen Grundhaltungen). Durch sie lasse
sich das angeborene intellektuelle Potential besser verwirklichen. Die
Gesamtheit der Fähigkeiten, welche die Intelligenz der Gefühle darstelle,
entspreche etwa dem alten Begriff "Charakter" (nach Amitai ETZIONI "der
psychologischer Muskel, den moralisches Verhalten erfordert" und dessen
Entwicklung die Grundlage demokratischen Gesellschaften sei).
5 Teilkonstrukte der emotionalen Intelligenz:
| ° Selbstbewusstheit (eigene Gefühle und Bedürfnisse werden verstanden, akzeptiert und in ihrer Wirkung auf andere richtig eingeschätzt) | |
| ° Selbstmotivation (sich unabhängig von Außenreizen für seine Aufgaben begeistern) | |
| ° Selbststeuerung (im Hinblick auf Zeit und andere Ressourcen planvoll handeln) | |
| ° Empathie (emotionale Befindlichkeiten anderer verstehen und angemessen auf sie reagieren) | |
| ° Soziale Kompetenz (Kontakte knüpfen, tragfähige Beziehungen aufbauen, Netzwerke knüpfen) |
* Ampel-Modell: Die Fähigkeit, Impulse (= Medien der Emotionen) zu unterdrücken, wird als Grundlage von Wille und Charakter gesehen. In der Erziehung soll versucht werden, dies zB durch das Ampel-Modell zu vermitteln:
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DIE INTERESSEN UND WERTE
- Definition:
Interessen, auch Kulturtriebe oder Bedeutungsgefühle genannt, treten nur beim
Menschen auf. Man versteht darunter von selbst auftretende Drangerlebnisse nach geistigen,
kulturellen oder wertebezogenen Gegenständen, die sich nur in ihrem Ziel unterscheiden.
Der Begriff Psychische Einstellung bezeichnet die Haltung, die der Mensch gegenüber
Werten (laut ROKEACH in Instrumentelle Werte und Letzte Werte zu gliedern, wobei erstere
eingesetzt werden, um letztere zu erreichen) einnimmt.
- Wertkategorien:
* Schöpferische Werte: Sie leiten sich aus allen Akten
ab, die zur Gestaltung und Bereicherung der Welt führen (Interpretative Disposition).
* Erlebniswerte: Sie entstehen durch das Aufnehmen der Außenwelt und
können Voraussetzung für die schöpferischen Werte werden (Sensible Disposition).
* Einstellungswerte: Sie entspringen der Konfrontation mit den
Lebensumständen (und deren Meisterung) und sind das Fundament der menschlichen Existenz
(Volitive Disposition).
DER WILLE (MOTIVATION)
Vgl. Motivation in der Psychologie (mit Online-Experiment)
- Definition:
Eine Willenshandlung liegt vor, wenn ein Mensch seine psychischen
Funktionen in klarbewusstem Zustand und mit voller innerer Zustimmung zur Erreichung
seiner Ziele einsetzt (nach ROHRACHER).
Die Motivationspsychologie untersucht Anstoß (dass etwas in Gang kommt),
Funktionsableitung (woher der Anstoß kommt und wohin er führt) und Variabilität des
Verhaltens (weshalb der eine so, der andere anders reagiert). Ergebnisse: Trieb-,
Instinktkonzept; Rolle körperinterner physiologischer Vorgänge ("Man sagt es mir in
jeder Analyse: die Liebe ist die Krise einer Drüse" - GEORG KREISLER); LINDSLEYS
Aktivierungstheorie (wie SINGER und SCHACHTER, s.o.); Multifaktorentheorie usw. usf.
- Einteilung der Motive:
ABRAHAM A. MASLOW (1908-1970; Vertreter der Humanistischen Psychologie, der die
ganzheitliche Natur des Menschen betont; versuchte, durch eine Adaptation des Yoga ohne
religiösen Hintergrund veränderte Bewusstseinszustände zu erlangen) beschrieb die
Handlungsmotive als hierarchisch gegliedert. Motivation hat bei ihm dilatorischen
Charakter (erst, wenn die Grundbedürfnisse befriedigt sind, gelangen die nächsthöheren
ins Blickfeld). Die Darstellung erfolgt in der bekannten MASLOW-Pyramide (s. Graphik)
* Defizitmotive: Sie erfüllen grundlegende Bedürfnisse und bilden die
Voraussetzung für die Entwicklung weitergehender Motive (fundamentale physiologische
Bedürfnisse; Sicherheits-Bedürfnisse; soziale Bedürfnisse; Ich-Bedürfnisse)
* Abundanz- (Wachstums)motive: Sie stellen "Luxusbedürfnisse"
nach Stillung der Grundbedürfnisse dar (Bedürfnis nach Selbstverwirklichung; Bedürfnis
nach Transzendenz)
|
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Vgl. folgende ausführliche und informative Seite über Maslow
Vgl. Sozialpsychologie-Skriptum der Universität Oldenburg
Die Sozialpsychologie ist eine in den 20er-Jahren entstandene Forschungsrichtung, die
sich damit beschäftigt, wie individuelles Verhalten durch soziale Interaktion entwickelt
und modifiziert wird bzw. welche Gesetzmäßigkeiten innerhalb sozialer Gemeinschaften zu
beobachten sind. (Die Nachbardisziplin Soziologie interessiert sich mehr für die
objektiven patterns, die Sozialpsychologie für die psychischen Prozesse unter dem
Einfluss sozialer Faktoren.)
Ausgangspunkt ist die Tatsache, dass der Mensch ein der Gemeinschaft mit anderen Menschen
bedürfendes Lebewesen ist, das im Fall einer Deprivation (Reizentzug, in diesem Fall
Fehlen von Sozialkontakten) das von ALEXANDER MITSCHERLICH so genannte KASPAR-
HAUSER-Syndrom entwickelt (vgl. auch Hospitalismus, s. Seite 2).
ERSCHEINUNGSFORMEN SOZIALER KOLLEKTIVE
- Menge:
ist eine unorganisierte, zufällige Ansammlung von Menschen, die nur durch eine Situation
(zB dieselbe U-Bahn-Station) miteinander verbunden sind. (Sozialpsychologisch wenig
interessant, da keine psychischen Beziehungen zwischen ihnen bestehen. Jeder hat sein
Ziel, es gibt aber kein gemeinsames Ziel.)
- Masse:
Die Masse entsteht aus einer Menge (ev. auch Gruppe), wenn, manchmal nur
vorübergehend, ein zentrales Ereignis, eine Leidenschaft, eine Erregung, eine
Hoffnung, ein Augenblicksziel oder
eine Führerfigur in den Mittelpunkt geraten und somit unter bestimmten,
zeitlich bedingten gefühlsmäßig gebundenen Vorraussetzungen temporäre Übereinstimmung in
Fühlen und Handeln entsteht. Sie erscheint als ruhende oder als aktive Masse und weist
folgende Merkmale auf:
* Anonymität: Individuelle
Verhaltensweisen verflüchtigen sich zugunsten übereingestimmten, trieb- und
instinktgesteuerten Handelns im Banne der Leidenschaften. Damit verbunden ist
ein subjektiv so empfundenes Schwinden der persönlichen Verantwortung, sodass
in der Masse Dinge getan werden, zu denen ein Einzelner nie imstande wäre.
* Fokussierung: Die Masse ist auf eine Führerfigur oder ein Leitereignis
(zB Unfall, Fußballmatch, Popkonzert) hin zentriert.
* Organisationsniveau: Das Niveau der psychischen Organisation ist niedrig.
Die Beziehungen der Mitglieder der Masse, die einander nicht bekannt sein müssen, sind
primitiv. Im Gegensatz zur Menge haben alle dasselbe Ziel. Die einzige Gliederung ist die
zwischen Führer und Geführten. Ansonsten besteht eine Tendenz zur
Gleichschaltung und Gleichförmigkeit.
* Affektlastigkeit: Vernunft und Intelligenz treten zugunsten der Affekte zurück, die
Masse ist daher gefühls-, nicht vernunftgesteuert. Sie erlebt den "heiligen
Schauer" (Begeisterung, Enthusiasmus), wenn zB in einem Stadion 60000 Menschen
singen.) Hemmungen, die in der Kleingruppe wirksam sind, fallen dabei weg.
* Suggestion: Die Masse ist der Suggestion (s. o., Methoden: Repetition =
Wiederholung, Persuasion = Überredung, Frappierung = Überrumpelung, Konformierung =
Gleichschaltung, Symbolisation = Sinnbildwirkung, Repudiation = Nichtanerkennung,
Zurückweisung, ironische Gegensuggestion) leicht zugänglich. (Das Gemeinschaftsgefühl
wird dabei oft durch geschickte Wahl von Symbolen und Beeinflussungsmittel, z. B.
Massenmedien, geschürt - vgl. NS-Zeit.) = Suggestibilität, vgl. auch Trance-Tänze. Die Indoktrinierbarkeit
(laut LORENZ die siebente der Acht Todsünden der zivilisierten Menschheit) ist hoch.
* Identifikationsneigung: Es besteht eine hohe Bereitschaft zur
Identifikation miteinander bzw. mit einem Anführer.
* Repertoire der Verhaltensformen: ist in der Masse stark begrenzt
(s. o. Anonymität; Organisiertes Aufstellen, zB im Stadion; Bei-, Missfallenskundgebungen wie Klatschen,
Johlen, Pfeifen etc; ev. aggressives Verhalten, das durch Aufputschen verursacht wird
usw.), wobei eine gewisse auf Steigerungsfaktoren (bis zur Ekstase) und - bei längerer
Dauer - retardierenden Momenten beruhende Dramaturgie erkennbar wird. Das Vorherrschen von
Affekten und Trieben führt zu
| ° Tumult: blindwütiger, durch eine Führerfigur lenkbarer Aufruhr der Masse, der sich wellenartig fortpflanzt oder verebbt, wenn kein belebender Widerstand die Tendenz zur Polarisierung und Konfrontation speist, und aufgestauten Aggressionen zum Durchbruch verhilft. (z. B. manche Demonstrationen; Europacupfinale im Brüsseler Heysel-Stadion 1985; Lynchjustiz etc.) | |
| ° Panik: ist das Angstverhalten der Masse (meist sinnlose Flucht, zB bei Bränden), das unter Ausschaltung der Vernunft meist noch größeren Schaden verursacht (auch ohne objektive Bedrohung möglich, zB im Gedränge Berg Isel-Stadion 1999). |
* Massenpsychologie ist seit mehr als 100 Jahren das Thema zahlloser Autoren. Die Bevölkerungsexplosion in Europa (von 1800 bis 1941 von 178 Mill. Ew. auf 571 Mill.) hatte die Massenbildung und damit die Beobachtung der damit zusammenhängenden Phänomene enorm gesteigert.
| ° GUSTAVE LE BON bemerkt 1895 in seinem Buch "Psychologie der Massen" zum ersten Mal die bedeutende Rolle der Masse im Leben der Völker. Er erkennt die Gefährdung des Individuums der modernen Industriegesellschaft durch totalitäre Ideologien. In der Masse würden höhere Funktionen des Individuums gebremst und niedere Instinkte gefördert. (S. FREUD bezog sich darauf 1921 in seinem Buch "Massenpsychologie und Ich-Analyse", in dem er nachwies, dass der Mensch neben rationalen vorwiegend irrationale, gefühlsbetonte Motive für sein Handeln habe.) | |
| ° JOSÉ ORTEGA Y GASSET: Der spanische Kulturphilosoph bemerkt 1930 in "Der Aufstand der Massen" das Heraufkommen der Massen zu sozialer Macht und einen Prozess der Vermassung (dadurch, dass die Tendenz, in einem Kollektiv aufzugehen, immer stärker wird und Menschen tonangebend werden, die die psychischen Charakteristika der Masse aufweisen). | |
| ° R. BATTEGAY meint in "Der Mensch in der Gruppe" 1967 (gegen ORTEGA), dass sich nicht nur niveaulose, sondern auch intelligente Menschen vom Massengeschehen mitreißen ließen und zunehmende Bildung keine Hoffnung auf mehr Individualität bieten könne. | |
| ° ELIAS CANETTI beschreibt 1960 in "Masse und Macht" die Allgegenwärtigkeit der Masse und ihren dialektischen Zusammenhang mit dem Problem der Macht. Er unterscheidet zwischen zahllosen Massen: Hetzmasse (die töten will), Fluchtmasse (weicht einer Drohung), Verbotsmasse (zB Streikende), Umkehrungsmasse (bei Revolutionen), Ringmasse (im Stadion) usw. CANETTI bringt Beispiele aus archaischen Gesellschaftsformen und weist auf die Wichtigkeit von Symbolen für die Masse hin, die nicht nur den Einzelnen, sondern ganze Völker beherrschen, auch wenn sie nur imaginiert sind. |
Zur Massenpsychologie vgl. auch Teil 4, Wilhelm REICH; Kapitel 3 der "Sozialpsychologie" von Uwe Laucken sowie "Masse, Macht und Rangordnung beim Menschen"
- Gruppe:
Im Gegensatz zur Masse besteht die Gruppe aus einer nicht allzu großen Anzahl von
Personen, die einander persönlich kennen und ein Rollensystem entwickelt haben. Die
Gruppe weist folgende Merkmale auf:
* Intellektuelle und emotionale Interaktion: Jedes Mitglied steht zu jedem
anderen in einer Beziehung.
* Sozialdistanz: So wird der emotionale Abstand zu anderen
Gruppenmitgliedern (er ist nicht zu jedem gleich) genannt. Die Zustände in einer Gruppe
sind durch das Soziogramm darstellbar (s. u.).
* Organisationsniveau: Die Beziehungen innerhalb einer Gruppe weisen eine
hochwertige (daher oft schwer erkennbare) Organisation auf, die sich entwickeln kann (s. Gruppendynamik)
* Rollen: Mitglieder einer Gruppe übernehmen - bewusst oder unbewusst -
Rollen (Begriff in Analogie zum Theater entstanden, vgl. o. Psychodrama), die nur teilweise
durchschaut werden und der sozialen Orientierung dienen. In der Gruppe existieren
Rollenerwartungen, die bei ihrer Nichterfüllung zu Rollenkonflikten führen. Die
Rollenverteilung kann starr (zB Lehrer - Schüler) oder flexibel (zB im Freundeskreis)
sein.
* Führung: Die Bedeutung einer Führerfigur ist in der Gruppe beschränkt;
man unterscheidet trotzdem zwischen führerzentrierten (zB Sportlehrgang) und
gruppenzentrierten (zB Kegelabend) Gruppen. Die möglichen Führungsstile entsprechen den
Erziehungsstilen von LEWIN (s. Seite
2).
* Tendenz zur Stimmungsübertragung und zur Angleichung der Mitglieder. Es
entwickeln sich Einstellungen und soziale Normen (= die von allen
geteilte Erwartung in bezug auf das Verhalten und Denken in bestimmten Situationen), oft
auch Vorurteile (= vorläufige Urteile, die auch nach
Bekanntwerden neuer Informationen nicht korrigiert werden) und Stereotype (=
kollektive Klassifikationen und Urteile, ungerechtfertigte Generalisierungen und
Verallgemeinerungen):
Stereotyp: |
|||||||
| Einstellung: Unter einer Einstellung versteht man die Tendenz, einen bestimmten Gegenstand aufgrund von Meinungen oder Gefühlen positiv oder negativ zu bewerten. Einstellungen |
|||||||
|
|||||||
| (Affektiv: Bewertung und emotionale Orientierung auf Personen oder soziale Sachverhalte | |||||||
| Kognitiv: Wahrnehmungen, Überzeugungen und Erwartungen in Bezug auf Personen oder soziale Sachverhalte | |||||||
| Konativ: Verhaltensrelevanz beziehungsweise Prädisposition zu einem bestimmten Handeln) | |||||||
(= Drei-Komponenten-Konzeption) |
|||||||
| Vorurteil: Vorurteile sind bestimmte Einstellungen, die mit Bewertungen verbundene Überzeugungen, Meinungen und Erwartungen über Eigenschaften und Merkmale bestimmter Personengruppen oder ihnen kategorisch zugeordneter Personen enthalten und daraus resultierende emotionale Reaktionen und Verhaltensprädispositionen nach sich ziehen. |
|||||||
Vgl. dazu Stereotype
und Vorurteile: Konzeptualisierung, Operationalisierung und Messung.
* Gruppendruck: Jede Gruppe (zB vorbildhafte Leitgruppen = peer groups)
entwickelt daher einen gewissen Gruppendruck, der sogar die Wahrnehmung beeinflussen kann,
wie ein bekanntes Ex. von SOLOMON ASCH zeigt: Eine von drei Linien ist genauso lang wie
eine vierte, zuvor projizierte. Sind nun alle "Teilnehmer" dieses Exs mit
Ausnahme der 1 bis 4 unwissentlich tatsächlich getesteten mit dem Vl im Bunde und einigen
sich (öffentlich) auf eine völlig falsche Lösung, so werden die nicht Eingeweihten
immer unsicherer, bis sie (meist) von ihrer ursprünglichen (richtigen) Lösung abgehen.
(Vgl. Untersuchungen zur
Konformität)
* Gruppenzugehörigkeit: ist freiwillig. Die meisten Menschen sind Mitglied
mehrerer Gruppen. Man unterscheidet informelle (zB Freundeskreis) von formellen (zB
Schulklasse) Gruppen.
* Freiheitsgrad: In der Gruppe besteht eine Wechselwirkung zwischen
vermehrten Möglichkeiten (zB zu einer sonst vielleicht nicht in diesem Ausmaß
entwickelten Kontaktfähigkeit) und Freiheiten (vgl. zB Gewerkschaftsgruppen) und
freiwilliger Selbstbeschränkung (zB bei Sitzungen, s. a. u.).
* Leistungen: Eine Gruppe ist einerseits mehr als die Summe ihrer Einzelteile -
ihre Leistung aufgrund von Fehlerausgleich, Ideenhäufung und Koordination besser als die
Leistung eines Einzelnen, was zB im Ex
"NASA-Spiel", in dem man sich in der Gruppe auf Gegenstände, die auf
dem Mond sinnvoll sein könnten, einigen muss, sichtbar wird -, trifft andererseits aber oft schlechte Entscheidungen
(auf Grund der Dominanz eines vielleicht bestimmenden, aber nicht kompetenten
Mitglieds oder wegen des Gruppendenkens, das oft übertriebenen Optimismus, die Illusion von Eintracht, den
Hang zu den o. erw. Stereotypen etc. fördert).
Außerdem existiert eine Reihe von Taktiken, die in Gruppensitzungen,
die der Entscheidung dienen sollen, nicht nur förderlich, sondern auch manipulativ
eingesetzt werden können (Desinformation, Scheinkampf, Benutzen von Fachjargon
usw.).
* Gruppendynamik: Innerhalb jeder Gruppe wirken
Kräfte, die spontan die Gruppenstruktur (in Verbindung mit der Rollenverteilung entstehen
lassen oder verändern (vgl. den Film "Die zwölf Geschworenen", 1957). Sie
werden (seit K. LEWIN) Gruppendynamik genannt; sie können, zB in der Therapie, bewusst
zur Gruppenveränderung genutzt werden:
In einer Gruppenanalyse werden die Konstellation (Größe der Gruppe,
Grad an Ungleichheit, Permeabilität, Territorium), der Verlauf (Dauer des
Bestehens, Rhythmik - kontinuierlich bzw. diskontinuierlich - der Veränderungen) und die Motivation
(Gründe der Gründung, momentane Motivation, Zielmotivation) erhoben.
Die Aktionen der Gruppe werden hinsichtlich der Beteiligung (Bereitschaft,
Verantwortung zu übernehmen), der Übereinstimmung (Informationsaustausch,
Verarbeitung von Widersprüchen, Kontakte und Sympathien) und der Gruppenkohäsion (des Zusammenhalts, vgl. auch u. Soziogramm; die Schismogenese beschäftigt
sich dabei mit dem Handling der jeweiligen Gegenreaktionen bei interner oder externer
Konkurrenz) untersucht.
In der Gruppenarbeit, die dazu beitragen kann, die festgefahrenen sozialen Bezüge zu
lockern, werden mit den Methoden des Diskurses (reversibel miteinander reden), in
geplanten Spielen (Rollenspiele, die zB Reversibilität der Rollen bewirken können oder
im biotischen Verfahren (in lebensechten Situationen) die gewünschten Modifikationen
angestrebt.
- Schicht und
andere soziologische (keine psychologischen) Unterteilungen:
Das Konzept von der (gesellschaftlichen) "Schicht" ist ein traditionell
auf Bildungsgrad, Beruf und Einkommen beruhender (immer
wieder problematisierter) Einteilungsversuch der Bevölkerung eines Landes. Man
unterscheidet gemeinhin Unterschicht, Mittelschicht (untere /
mittlere / obere Mittelschicht) und Oberschicht. In Industrieländern
ergibt sich meist eine breite Mittelschicht (90% der Einkommen liegen dicht
beieinander), während in Entwicklungsländern die Schere zwischen (kleiner)
Oberschicht und (mehrheitlicher) Unterschicht bei gleichzeitig geringzahliger Mittelschicht viel weiter
auseinander klafft. In
letzter Zeit werden in der Schichttheorie sogenannte Sinusmilieus berücksichtigt (vgl. die unten
stehende Graphik). Bei dieser "Typologie Gleichgesinnter" werden
geteilte Lebensstile, Einstellungen und Wertvorstellungen berücksichtigt. (Vgl.
unten stehende Graphiken und Sinusmilieus in
Deutschland)
Der Begriff (gesellschaftliche) "Klasse"
wird im Verhältnis zum Begriff "Schicht" als untergeordnet angesehen.
Er bezeichnet seit KARL MARX eine durch die Produktionsverhälnisse entstandene
soziale Schichtung. Manchmal erfolgt die Definition des Begriffes auch subjektiv
über ein Gefühl der Zugehörigkeit zu bestimmten gesellschaftlichen Kreisen
(Klasse als psychologisches Phänomen). MAX WEBER definiert Klasse als
"jede in einer gleichen Klassenlage (= die typische Chance 1. der
Güterversorgung, 2. der äußeren Lebensstellung, 3. des inneren
Lebensschicksals) befindliche Gruppe von Menschen."
Andere mögliche soziale Gliederungen: Unterteilung in Kasten (streng
hierarchisches, kaum durchlässiges System religiöser und gesellschaftlicher
Ordnung von Menschen gleichen Berufes), Stände (nach www.preussen-chronik.de
geschlossene, abgegrenzte Schichten einer hierarchisch gegliederten Gesellschaft
- Ständegesellschaft -, die jeweils durch ihre Abstammung - Geburt -,
durch ihre besonderen Rechte, Pflichten, Privilegien und gesellschaftlichen
Funktionen - Beruf - gekennzeichnet sind und sich voneinander durch ihre soziale
Position - ihren gesellschaftlichen Rang -, auch durch ihre Lebensführung und
ihre politischen Anschauungen - Standesethik - unterscheiden.

Aus dem Wiener Kurier vom
16.11.2001

Sinus-Milieus in Deutschland 2004 (nach www.sinius-milieus.de)
SOZIALE RÄNGE UND MECHANISMEN
- Ränge:
Durch unterschiedliche Funktionen der Menschen und ihre verschiedenen Voraussetzungen kann
man öfter die folgenden Gruppenränge beobachten:
* Anführer: entsteht durch die jeweilige Situation, auch durch Charisma und
"Führungsqualitäten" der entsprechenden Person. Er gibt Aufträge und ist,
latent oder offensichtlich, dauerhaft oder für einen bestimmten Zeitraum, übergeordnet.
* Stäbe: Personen, denen kurzfristig oder partiell Verantwortung
übertragen wird (zB beim Militär, in Betrieben, in Krisenfällen etc.)
* Unterführer: "Handlanger" des Anführers; die Zahl dieses
Sozialrangs nimmt (bedingt durch die Gegebenheiten in der Industrie) ständig zu.
* Sympathisanten: Je nach Betrachtungsweise "Mitläufer" oder
"engagierte Basis"; sie dienen meist uneigennützig, sind aber nach
Enttäuschungen oft zu einer Kontrastellung gegenüber der Führung bereit.
* Masse: das in gewisser Weise berechenbare und zT aus Minderheiten
bestehende "gemeine Volk", das von den ersten drei genannten Gruppen regiert /
beherrscht / betreut... wird.
* Außenseiter: stehen in positiver (zB Dissidenten, Kritiker) oder
negativer (zB Querulanten, Prügelknaben) Hinsicht außerhalb des sozialen Kollektives.
Diese sechs Gruppen sind durch vier Hauptmerkmale charakterisiert:
| ° Komplexität: Sie unterliegen einem vielschichtigen Wechselspiel an Kooperationen und Konflikten. | |
| ° Eigendynamik: Diese erhält sich von selbst und ist nur zT von außen steuerbar. | |
| ° Intransparenz: Das System ist schwer durchschaubar. | |
| ° Inhabilität: Es ist schwer zu etwas zu bewegen bzw. in seiner Bewegung aufzuhalten oder gar umzudrehen. |
- Soziale Effekte:
Folgende sechs sozialen Effekte, die oft manipulatorisch
ausgenutzt werden, wurden von den Sozialwissenschaften beobachtet und beschrieben:
| ° Halo-Effekt: s. Teil 1 | |
| ° Bandwagon-Effekt: Tendenz, sich Erfolgreichen anzuschließen (F. NIETZSCHE: Nichts ist erfolgreicher als der Erfolg). | |
| ° Underdog-Effekt: Der Außenseiter wird unterstützt. | |
| ° Bumerangeffekt: Starkes, bereits vorhandenes Motiv wird ausgenützt, "zurückgereicht". | |
| ° Ignorierungseffekt: Tendenz, Unangenehmes zu verdrängen, zu bagatellisieren | |
| ° Torschlusseffekt: Tendenz, vor einem (vermeintlichen) Ende rasch tätig zu werden. |
METHODEN DER SOZIALPSYCHOLOGIE
- Soziogramm:
Wichtigstes Instrument der Sozialpsychologie, von J. MORENO (s. o.) entwickelt. Im Soziogramm
werden die Beziehungen der Gruppenmitglieder in einer Graphik sichtbar gemacht. Sie wird
entweder von einem Psychologen nach Beobachtung der Gruppe oder auf folgende Weise
erstellt: Jedes Gruppenmitglied muss eine die Beziehung zu anderen Gruppenmitgliedern
betreffende Frage (zB Mit welchen zwei Gruppenangehörigen würdest du am liebsten / am
wenigsten gern deine persönlichen Probleme besprechen?) beantworten. In der zu
erstellenden Graphik wird jedes Mitglied durch einen Kreis symbolisiert. Die jeweils vier
gewählten Personen werden (vgl. unten stehende Graphik) mit gemäß einer Positiv- bzw.
Negativwahl verschiedenartigen Pfeilen (durchgezogen/strichliert) mit der wählenden
Person verbunden, sodass sich ein kompliziertes Liniengeflecht und folgende Figuren
ergeben werden:
* Doppelwahl: der eine Person Wählende (negativ oder positiv) wird von
dieser auch gewählt (im Beispiel 2/3 bzw. 2/4, 9/11 usw.; besonders interessant, wenn dies
in der Gegenrichtung mit anderem Vorzeichen geschieht; im Beispiel 6/10). Häufige
Doppelwahlen gelten als Zeichen hoher Gruppenkohäsion (vgl. o.)
* Star: Person mit hohem Wahlstatus (die Zahl der Positivwahlen überwiegt;
im Beispiel Nr. 7)
* "Feind": Person mit hohem Ablehnungsstatus (die Zahl der
Negativwahlen überwiegt; im Beispiel Nr. 6)
* Außenseiter: wird kaum gewählt, bleibt unbeachtet (im Beispiel Nr. 8)

Vgl. Hausarbeit zu Soziogramm, Soziometrie, Soziogramm per Internet, Beschreibung eines Soziogramm-Programms
- Feedback:
Als prophylaktische Maßnahme gegen Fehlbeurteilungen und Vorurteile (s.o.) empfiehlt sich das Einholen bzw.
Geben von Feedback (= Rückmeldung).
|
Feedbackregeln: |
| Feedback geben: Feedback soll möglichst
unmittelbar, angemessen, brauchbar (auf Verhaltensweisen bezogen, die auch
änderbar sind), beschreibend statt interpretierend, konkret (auf ein
begrenztes Verhalten bezogen), nicht generalisierend, vor allem
positiv oder zumindest nicht ausschließlich
negativ (zB Sandwichtechnik: positive - negative - positive Rückmeldung), in
reversibler, sachlicher, genauer Sprache und tendenziell eher in Ich-Botschaften
(Mitteilung der eigenen Reaktionen) und
Vermutungen als in Vorwürfen und Behauptungen sowie zur rechten Zeit (nicht zu
spät) erfolgen und immer erbeten oder erwünscht
sein. Feedback nehmen: Wer Feedback annehmen will, sollte möglichst genau sagen, worüber (über welche Einzelheiten des Verhaltens) er/sie Rückmeldungen wünscht, dass Gehörte durch Wiederholung in eigenen Worten sicherstellen (durch Verwendung der Gesprächstechnik des "Spiegelns"), Reaktionen auf das Feedback mitteilen und nicht sofort in eine Verteidigungsposition gehen. Bei starker gefühlsmäßiger Betroffenheit kann eine Nachdenkpause zur "Verdauung" vor einer Reaktion sinnvoll sein. |
Grund
für die Notwendigkeit von Feedback: Selbstbild und Fremdbild eines Menschen stimmen nicht immer
überein, da man manchmal einen Teil seiner Persönlichkeit verbergen möchte und
umgekehrt oft nicht weiß, wie man auf andere wirkt. Um sich selbst besser kennen
zu lernen, empfiehlt sich daher die Nutzung einer Außenansicht.
Eine Möglichkeit der graphischen Darstellung der 4 möglichen Sichtweisen bietet das
sogenante JOHARI-Fenster, das die Persönlichkeit in 4 Fenstern
darstellt:
JOHARI-Fenster |
mir bekannt |
mir nicht bekannt |
| anderen bekannt | I. BEREICH DER FREIEN AKTIVITÄT |
II. BLINDER FLECK |
| anderen nicht bekannt | III. BEREICH DES VERMEIDENS, VERBERGENS |
IV. BEREICH DES UNBEWUSSTEN |
Die relative Größe der Fenster I, II, III und IV differiert von Person zu Person. Das sich ergebende Bild lässt Rückschlüsse auf die jeweilige Persönlichkeitsstruktur zu.
- Andere Methoden:
Daneben werden Beobachtung, Befragung, Labor- und Feldexperimenten verwendet.
XI. PERSÖNLICHKEITSPSYCHOLOGIE
Persönlichkeitspsychologie (auch Differentielle Psychologie - Ausdruck von
STERN) beschäftigt sich mit der Erfassung und Einordnung der Persönlichkeitsstruktur des
Menschen.
Vgl. zB The Keirsey Temperament Sorter
Persönlichkeit (lat. persona = Maske) bezeichnet die Summe der Verhaltensweisen,
mit denen ein Mensch charakteristischerweise auf seine Umwelt reagiert.
Charakter (griech. = Stempel) bezeichnet - im Unterschied zur veränder- und
formbaren Persönlichkeit - die feststehenden Verhaltensdispositionen.
Vgl. nicht ganz ernst gemeinten Charaktertest
Typus (griech. = Schlag) bezeichnet eine durch einen Merkmalskomplex
gekennzeichnete Auswahl an Menschen (vgl. auch oben Stereotyp
und Vorurteil)
Beispiel für eine mögliche Untersuchung: "Persönlichkeitsprofile
von Ultra-Langstreckenläufern"
- Antike:
Persönlichkeitstypologien wurde bereits im Altertum versucht. Am bekanntesten
wurde die Ausarbeitung der Ansicht des HIPPOKRATES, dass die Persönlichkeit von den
Körpersäften bestimmt würde, durch GALENOS. Er unterschied die Vier Temperamente:
* Sanguiniker: schwache, schneller wechselnde, gelöste, mehr
nach außen gerichtete Seelenzustände (nach sanguis = Blut) - leichtblütig,
optimistisch, leicht ansprechbar etc.
* Choleriker: starke, schneller wechselnde, gespannte, mehr nach außen
gerichtete Seelenzustände (nach cholos = Galle) - unbefriedigt, jähzornig etc.
* Melancholiker: starke, langsamer wechselnde, gespannte, mehr nach innen
gerichtete Seelenzustände (melas cholos = schwarze Galle) - schwermütig, tiefgründig,
traurig etc.
* Phlegmatiker: schwache, langsamer wechselnde, gelöste, mehr nach innen
gerichtete Seelenzustände (phlegma = Schleim) - schwer ansprechbar, behäbig, kaltblütig
etc.
- Konstitutionstypologien
(Körperbautypologien):
* ERNST KRETSCHMER (1888-1964): In seinem 1921
veröffentlichten Buch Körperbau und Charakter untersucht er den Zusammenhang gewisser
Körperbautypen mit Psychosegruppen. (Schon im 19. Jh. hat LOMBROSO, ein Begründer der
Kriminalstatistik, einen Zusammenhang zwischen Kriminalität und angeborenen
Körperbauanomalien nachweisen wollen.) KRETSCHMER unterschied drei Konstitutionen:
| ° Pyknischer Typ: klein, gedrungen; dominiert in der Gruppe der Zyklothymen (im Extrem zykloid = manisch-depressiv, s. o.) | |
| ° Leptosomer Typ: lang, dürr; dominiert in der Gruppe der Schizothymen (im Extrem schizoid = schizophren, s. Teil 4) | |
| ° Athletischer Typ: breite Schultern, schmales Becken; dominiert (mit geringerer Korrelation) in der Gruppe der Barykinetischen (Viskösen = zähflüssiges, schwer umstellbares Temperament, im Extrem epileptoid) | |
| ° Dysplastischer Typ: hat keines der drei Merkmale eindeutig ausgeprägt; statistisch die größte Gruppe, daher ist KRETSCHMERS Typologie hauptsächlich von historischem Interesse. |
* WILLIAM H. SHELDON: wollte KRETSCHMER widerlegen und untersuchte 4000 amerikanische Studenten. Die in objektiven Messungen gefundenen Körperbauhauptgruppen entsprachen dabei jenen von KRETSCHMER:
| ° Endomorpher Typ: entspricht dem Pykniker; er ist überwiegend viszeroton (bequem, gemütlich, sozial, realistisch, genusszugewandt - r = .79) | |
| ° Ektomorpher Typ: entspricht dem Leptosom; er ist überwiegend zerebroton (empfindlich, zurückhaltend, gehemmt; r = .83) | |
| ° Mesomorpher Typ: entspricht dem Athletiker; er ist überwiegend somatoton (aktiv, energisch, draufgängerisch - r = .82) |
Zur Anthropometrie allg. vgl. Modern Phrenology und - als historische Reminiszenz - die "Physiognomik" von Johann Caspar Lavater (1772)
- Faktorenanalytische
Modelle:
Die Faktoren-Theorie glaubt, Kriterien ausarbeiten zu können, die möglichst
einfach, aber eindeutig eine Persönlichkeitszuordnung ermöglichen (Begründer: SPEARMAN,
vgl. Seite 2). Es
ergeben sich dieselben statistischen und definitorischen Probleme wie bei den
Intelligenzfaktoren
(s. o.).
* C. G. JUNG (vgl.
Seite 4) Neben den vier Funktionstypen (s. o.), die jeweils kombiniert werden können (= 8
Möglichkeiten), unterscheidet JUNG
| ° Introvertierte (in sich gekehrte) Menschen | |
| ° Extravertierte (nach außen orientierte) Menschen. |
Ausgangspunkt war für ihn die Frage, wieso Neurosen unterschiedlich interpretiert
werden. Antwort: Jeder Forscher sieht sie seinen Eigenheiten entsprechend. JUNG sah FREUD
als introvertiert, ADLER als extravertiert an.
Die JUNG'sche Dichotomie wurde von anderen Forschern erweitert (zB vom 1942 von
Mutter und Tochter Katherine BRIGGS und Isabel MYERS erstellten und 1962 zu
einem Persönlichkeitsinventar ausgebauten MBTI = Myers-Briggs Type Indicator, von RORSCHACH, dem
Erfinder des RORSCHACH-Tintenklecks-Tests, der in der Klinischen Psychologie
verwendet wird; er unterschied fünf Erlebnistypen: introvertiert, extravertiert,
koartiert, ambiäqual, dilatiert) u. a. Am bekanntesten wurde die Erweiterung des JUNG'schen
Ansatzes von
* H. J. EYSENCK (1916 in Berlin geboren, nach England emigriert; seit 1955
Professor für Psychologie in London, gest. 1997): Mit Hilfe eines eigens entwickelten
Tests (EYSENCK Personality Inventory) gewinnt er, streng quantitativ-statistisch
arbeitend, folgende Faktoren:
| ° Dimension Introversion - Extraversion (vgl. JUNG) | |
| ° Dimension Stabilität - Instabilität (= Faktor Neurotizismus) | |
| ° Dimension Impuls - Antriebskontrolle (= Faktor Psychotizismus) |
Die ersten beiden Dichotomien lassen sich in einem Koordinatenkreuz, in dem theoretisch jeder Mensch untergebracht werden kann, darstellen. Jeder Quadrant entspricht dabei einem der vier Temperamente: Stabilität + Introversion = Phlegmatiker, Stabilität + Extraversion = Sanguiniker, Instabilität + Introversion = Melancholiker, Instabilität + Extraversion = Choleriker
In manchen Faktorentheorien gelten die Eysenck'schen Dimensionen
Intro-/Extravertiertheit und Stabilität/Instabilität zusammen mit den drei
Faktoren der Verträglichkeit, der Gewissenhaftigkeit und der Offenheit für
Erfahrung als die "Big Five der Persönlichkeit".
Vgl. Seite über Eysenck
oder die Eysenck'sche Typologie
- Weltanschauungstypologie:
In seinem 1914 erschienenen Buch Lebensformen entwickelt EDUARD SPRANGER
(1882-1963), ein in der geisteswissenschaftlichen Tradition von WILHELM DILTHEY stehender
deutscher Psychologe, sechs an inhaltlichen Gesichtspunkten orientierte
Weltanschauungstypen (je nach Wert- und Sinngehalt):
* Religiöser Mensch: Sinnerfüllung des Daseins durch Ausrichtung auf das
Überirdische
* Theoretischer Mensch: Sinnerfüllung des Daseins durch Einsetzen des
Verstandes, Forschen, Erkennen, Denken
* Politischer Mensch: Sinnerfüllung des Daseins durch Machtausübung und
Beeinflussung anderer
* Ästhetischer Mensch: Sinnerfüllung des Daseins durch einfühlende
Betrachtung von Schönheit, Form, Harmonie
* Sozialer Mensch: Sinnerfüllung des Daseins durch selbstlose Hingabe,
Liebe und Sorge um andere
* Ökonomischer Mensch: Sinnerfüllung des Daseins durch Streben nach
Nutzbringendem, Praktischen, Gewinn
- Typologie der Kommunikationsmuster:
Die Familientherapeutin VIRGINIA SATIR (sie entwickelte die Conjoint-Therapie, bei
der versucht wird, Zwangsverhalten in offenes Verhalten umzuwandeln und formulierte die
"Fünf Freiheiten": Sehen und hören was wirklich ist, nicht, was sein
sollte./Das sagen, was ich denke, nicht das, was ich denken sollte./Fühlen, was ich
wirklich fühle, nicht, was ich fühlen sollte./Das fordern, was ich möchte, nicht immer
erst auf Erlaubnis warten./Risiken eingehen, ohne mich immer erst abzusichern.)
unterscheidet fünf Reaktionsmuster, aus denen verschiedene Konflikttypen
abzuleiten sind. Die ersten vier davon werden gebraucht, um einer
drohenden Ablehnung durch den Kommunikationspartner zu entgehen:
* Beschwichtigen (= placate): "Was du auch immer sagst und willst, ist richtig. Ich
will dich zufrieden stellen und zähle ohne deine Zustimmung wenig." Körperhaltung
zustimmend, unterwürfig, hilflos.
* Anklagen (= blame): "Alles machst du falsch - du bist schuld!"
Körperhaltung fordernd, angespannt; man glaubt, selbst erfolglos und einsam, dem anderen,
bevor er einen fertig macht, zuvorkommen zu müssen.
* Rationalisieren (= compute): "Ich stelle nur Tatsachen fest." Körperhaltung
ruhig, aber gespannt; man will sich nicht ausliefern.
* Ablenken (= distract): Die Sprache ist wirr, unzusammenhängend, belanglos bis sinnlos,
oft theatralisch; Körperhaltung unkoordiniert; man fühlt sich heimatlos und von
niemandem gebraucht.
* Kongruentes oder fließendes Verhalten (Übereinstimmung der Person im
Innen und Außen) = anstrebenswerte Authentizität: ent-spannte Kommunikation,
bei der man nicht sein Selbstwertgefühl bedroht sieht (fühlt).
Satir schlägt vor, in Kommunikationsprozessen auf die "5 Freiheiten" zu achten: The freedom...
|
...to see and hear what is here and now instead of what should be, was, or will be. |
...to say - what one feels and thinks instead of what one should. |
...to feel what one feels, instead of what one ought. |
...to ask for what one wants, instead of always waiting for permission. |
...to take risks
in one's own behalf, instead of choosing only to be "secure" and not rocking the boat. |
Zu möglichen Typologisierungen s. auch o. Erziehungsstil-Kategorisierungen - Zu den tiefenpsychologischen Persönlichkeitsmodellen vgl. Kap. Tiefenpsychologie und Psychiatrie
- Heute:
In
den letzten Jahrzehnten versucht man einzelne Faktoren statistisch gestützt (taxonomische
Klassifikation aufgrund von Korrelationen) zu isolieren und Merkmalsbeziehungen
(Merkmalsbündel = Cluster) herauszufiltern (vgl. auch Intelligenzfaktoren Seite 2). Bekannt
geworden sind die so genannten
* Big Five der Persönlichkeit: Angelehnt an die die fünf großen Hauptziele von Jagdsafaris (afrikanischer Büffel, Elefant, Leopard, Löwe, Nashorn) postuliert dieses Modell fünf Hauptdimensionen der Persönlichkeit: 1) Neurotizismus (Neigung zu Nervosität, Angespanntheit, emotionaler Labilität, Ängstlichkeit und Traurigkeit; Gegenpol: Gelassenheit, Entspanntheit), 2) Extraversion (Neigung zur Geselligkeit und zum Optimismus; Gegenpol: Introversion als Neigung zur Zurückhaltung), 3) Offenheit für Erfahrung (Neigung zur Wissbegierde, Interesse an neuen Erfahrungen; Gegenpol: festgelegt), 4) Verträglichkeit (Neigung zum Altruismus, zur Kooperation und Nachgiebigkeit; Gegenpol: Barschheit) und 5) Gewissenhaftigkeit (Neigung zur Disziplin, zu hoher Leistungsbereitschaft Leistung, zur Zuverlässigkeit; Gegenpol: Unorganisiertheit). Auch OCEAN-, manchmal CANOE-Modell genannt: O Openness, C Conscientiousness, E Extraversion, A Agreeableness und N Neurotizismus. Vgl. folgenden Test
Die heutige Persönlichkeitspsychologie geht meist von einem der drei folgenden Ansätze aus: den Eigenschaften - der Art der Informationsverarbeitung - den beobachtbaren Veränderungen einer Person.
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