William Martin Joel
aka Billy Joel
Konzertbericht 26.06.2006 in der Wiener Stadthalle
Nun, da war
er. Seit dem angekündigten Face to Face F2F 2001 (?) mit Elton John, wo er
gesundheitsbedingt nicht auftreten konnte, warte ich nun schon.
Einige Lieder von Billy
kannte ich ja, aber erst in der letzten Zeit kam meine Begeisterung für Billy
Joel.
Nach langem hin und her,
entschloß ich mich dann doch, zu dem F2F Konzert zu gehen.
Doch dann wurde sein
Auftritt, wie Eingangs geschildert, abgesagt.
Hm. Na gut dachte ich mir
damals, daß wird wohl eh nachgeholt bzw. kommt er vielleicht ja doch wieder nach
Öster-reich/Wien.
Doch leider war dem nicht
so. Wie ja allgemein bekannt ist, wollte er nicht mehr so lange Tourneen machen
bzw. sich vom
Pop abwenden. Die Chancen ihn
noch einmal Live zu sehen sanken.
Blöd war auch, daß ich in
der Zwischenzeit mich immer mehr mit dem "Thema" Joel auseinander setze.
Gleichzeitig begann ich
auch Keyboard zu spielen und was war naheliegender, als seine Werke (begrenzt)
zu üben bzw. nachzuspielen. Musikmäßig beschäftigte ich mich also immer mehr,
ich begann sozusagen, daß Joelogiestudium.
Somit war ich mit den
Alben als auch in weiterer Folge mit Live Aufnahmen (Bootlegs) "beschäftigt".
Doch dann ergab es sich,
daß er in Amerika weiter mit Elton John auftrat. Dort bemerkte man, über die
Jahre,
eine gewisse Routine; manche
meinen auch motivations- und lustloses abspulen alter Hits.
Nachdem diese Phase nun
auch beendet war, trat er überraschenderweise bei kleineren Konzerten bzw.
Veranstaltungen auf.
Eigenartig, da er doch nie wieder....
Wie auch immer.
Zwischenzeitlich war auch
ich bei einigen Konzerten (Andy Lee Lang, Nightwish, Donauinsel usw.) und
jedesmal dachte ich mir,
wie schön es doch wäre, würde
"er" dort spielen. Vor allem dann, wenn bei diesen Konzerten ein Klavier mit im
Spiel war.
Und dann kam er doch
noch. Ich hatte auch schon überlegt, nach Amerika zu fliegen um ihn mir einmal
noch live zu geben.
Durch die kritische
Berichterstattung über seine Live Darbietungen war ich jedoch abgeschreckt.
Da fliegt man tausende
von Kilometern, zahlt einen hohen Preis, nicht nur fürs Ticket, und dann sieht
man einen lustlosen
Pianoman? Nein Danke. Manchmal
gehen Wünsche oder Träume nicht in Erfüllung.
Doch es kam doch anders.
Zeitsprung in die
Jetztzeit.
Wien 26.06.2006 19:30
Das lange Warten hat ein
Ende. Für diejenigen, die ihn schon mal live gesehen haben oder schon öfters auf
anderen Konzerten
waren, vielleicht nichts
besonders, für mich jedoch eines der größten Ereignisse.
Für mich war und ist es
etwas besonders. Und, bekanntlich ist Vorfreude die größte Freude J.
Auf der Karte stand nicht
viel oben, außer 19:30. Ob Einlaß oder Beginn, hm. Naja, kurz vor 19:30 ging ich
mit eine Freundin durch die "Kontrolle". Kontrolliert wurde, ob man Getränke
mitnehmen wollte; auch eine kurze Inspektion in die Handtaschen der Frauen
erfolgte
noch. Sonst nichts.
Ich hatte
mit einer gründlichen Leibesvisitation gerechnet (gefreut ;-)). U.a. deshalb,
weil ich meinen mp3 Player
mithatte, und versuchte,
aufnahmen zu machen.
Wir saßen in der Reihe
19, Parkett1, Parterre Süd, hatten die Bühne also nicht weit weg. Vor allem war
ich überrascht, denn ich hatte mit einer Bühne über meinem Kopf (172cm)
gerechnet.
Andererseits war dies ja
auch nicht notwendig wo es ja nur Sitzplätze gab :-).
Jeweils so gegen 19:45
und 19:50 klingelte es (wie im Theater). Dann wurde es dunkel und eine Musik vom
Band spielte, keine Ahnung wie lange (3 Minuten?) und dann, mit einem
Lichtstrahl und den Anfangsklaviertakten zu Angry Young Man eröffnete "er",
"das" Konzert.
Ich selbst saß da, wie
ein Kind dem gerade der Weihnachtsmann erschien und dem Geschenke überreicht
wurden.
Zwar mit geschlossenem
Mund, aber wie zu einer Salzsäule erstarrt, und die Hände brav auf dem Schoß.
Das zweite Lied, My Life,
eröffnete er mit einem kleinen Intro von Beehovens Neunter. Ich kannte dies
schon aus anderen Live Aufnahmen
und freute mich sehr,
auch deshalb, weil mir die Neunte sehr gut gefällt und er dies sehr schön in My
Life überfliesen lies.
Es sei hier noch
angemerkt, daß er neben dem Klavier noch mit den Drumms und der Gitarre
begleitet wurde.
Nach dem zweiten, oder
war es das dritte Lied, sprangen die Leute von ihren Sesseln um ihn gebührend zu
beklatschen.
Sichtlich gerührt
begrüßte nun er das Publikum und entschuldigte sich auch dafür, daß er so lange
nicht in Europa aufgetreten war: "I was sick, and now bold, and I'm back".
Obwohl die Stadthalle
klimatisiert war, dürfte ihm recht heiß gewesen sein und deshalb schüttete er
sich des öfteren Mineralwasser in
die Hände und fuhr sich
damit auf den kahlen Kopf.
Auch erwähnte er,
wiedereinmal (Kenner erinnern sich, Bremen 77 und ??????
), die Klimaanlage. Für
die teuren Tickets könnte man doch eine funktionierende erwarten (frei
übersetzt). Wohl auch hier, wiedereinmal eine Anspielung (Kenner erinnern sich
auch hier wieder, Stichwort Millenium Konzert)
auf die teuren
Ticketpreise (Standard zwischen 100-120€, im "Orchestergraben" sogar weit über
200€!)
Als wir von den draußigen
30 Grad in die Halle gekommen sind, erschien es uns als durchaus angenehm.
Das nach einiger Zeit,
etlichen tausend Menschen und den vielen Lampen es etwas wärmer werden würde,
war zu erwarten.
Das Herr Joel nicht mehr
seine Idealfigur hat und er nicht mehr der jüngste ist, wissen wir ja ;-). Wobei
er erst in der zweiten Hälfte so
richtig Bewegung kam. U.a.
spielte er dann zu Highway to hell sowie bei We didn't start the fire die
Gitarre und stand erstmals zu
An Innocent Men auf.
Zurück zur Eröffnung und
den stehenden Ovation nach den ersten beiden Liedern. Ich hatte den Eindruck und
ich selbst empfand ebenso, daß man ihm Dankte, daß er nun doch nach Europa und
dann auch noch nach Wien und hier die Europartournee zu starten, kam, sowie
einen Gruß aus seiner
dritten "Heimatstadt" zu schicken (da ja sein Vater Howard hier lebt).
Wie in einem
Konzertbericht auf Ö3 von Clemens Stadlbauer zu lesen war:
"Minutenlange Ovationen. Nicht so sehr, weil die soeben
dargebrachten Lieder so großartig waren. Sondern viel mehr einfach nur deswegen,
um diesem Mann einfach mal Danke zu sagen.
Dafür, dass er so viele gute Songs geschrieben hat (viele davon hat er dann auch
noch gespielt). Dafür, dass er hier in Wien seine Europatournee startet. Und
irgendwie auch dafür, dass es ihn immer noch gibt. Was ja nach seinen
zahlreichen selbstzerstörerischen Exzessen nicht unbedingt selbstverständlich
ist."
Dem kann ich mich nur
anschließen.
Vor kurzem sah ich einen
Ausschnitt von seinem Auftritt im Madison Square Garden wo sich das Klavier
drehte!
Ich fand das eine witzige
Sache. Als er ihn Wien dem Publikum in seinem Rücken sagte, wir werden das
Problem
lösen (w'll fixed), wußte ich,
was kommen würde. Auch wenn es nichts besonderes ist, aber mir hat es sehr gut
gefallen.
Es sieht sehr witzig aus,
wenn er sich wie in einem Schaufenster mit dem Klavier um 180Grad dreht.
Und vor allem auch
praktisch, denn so konnte ihn auch die andere Hälfte des Publikum sehen.
Offensichtlich hat er aus
vergangenen Auftritten gelernt, denn dieses "Problem" besteht ja nicht erst seit
kurzem ;-)
Das die Leute bei Vienna
aufschriehen und entzückt waren, zumindestens die die das Lied kannten, darf
angenommen werden.
Leider erzählte er dazu
aber nichts, warum er dieses Lied geschrieben und welche Beziehung er zu Wien
hat (sein Vater wohnt
hier, sein Bruder arbeitet in
Österreich).
Auch leider spielte er
ohne große Ankündigung Leningrad, ein Lied welches gerade in den
deutschsprachigen Ländern sehr gemocht wird und auf Live Konzerten viel zu
selten gespielt wurde.
Anyway würde Mr. Joel
sagen, denn nach dem Lied meinte er belustigend, daß er die Musik von zwei
Komponisten "gestohlen" hätte (Schuhman und Edvard Grieg?, bloß könne er die ja
jetzt nicht mehr ausfindig machen bzw. befragen ("But he don't get paid",?
Tantiemen?)
Erwähnt soll hier werden,
dass, bei der Textzeile "to sent Red Army" die Bühne in rotes Licht gehüllt
wurde.
Überhaupt wie mir die
Lichttechnik gefiel. Ok ich kannte die Bühnenshow von Michael Jackson, den
Rolling Stones und von Nightwish,
aber hier war weniger
mehr. Meistens war immer nur eine Farbe im spiel und wenn dann die Bühne in
schummrig schauriges blau
getaucht wurde wie z.B. bei
Zansibar, oder in gleißendem weiß, dann hatte das schon etwas. Stilvoll und zu
dem Künstler Joel und seiner Musik, passend.
Wie überhaupt ich es als
sehr angenehm empfand, daß es nur Sitzplätze gab. Ich halte nichts von
kreischenden Fans, die einem die
Sicht nehmen, die
Freundin auf den Schultern tragen, die neben mir singen (schließlich komme ich
wegen dem Sänger/der Band hin; außnahmen sind Refrains oder wenn der Künstler
das Publikum auffordert), während des Konzerts saufen oder rauchen. Außerdem ist
es ganz einfach angenehm,
wenn man im sitzen und in Ruhe
die Musik "genießen" kann. Wollte ich das oben geschilderte, ginge ich zu einem
Iron Maiden/Korn etc. Konzert…..
Deswegen konnte ich dem nichts abgewinnen, als beim Song "An Innocent Man" etliche Leute nach vorne an der Seite zur Bühne stürmten und die vor mir sitzenden auch aufstanden :-(. Was andere als, "da erst ließ sich das Wiener Publikum mitreißen" und hoffentlich ist es in Frankfurt nicht „bestuhlt“, erfreut schreiben ließ, rang mir nur Verärgerung ab. Vermutlich war derjenige in der ersten Reihe und hatte trotzdem freie Sicht. Da ich mit meinen 1,72M auch nicht zu den größten zähle, bin ich halt des öfteren auf die Zehenspitzen gestiegen....
Abgesehen
davon, habe ich ja auch 100,80€ bezahlt. Für Sitzplätze. Sonst hätte ich mir
gleich billigere genommen wund wäre dann, ganz einfach, nach vorne gegangen L.
Naja.
In der ersten Hälfte
spielte er eher Lieder die er selten zu spielen pflegte, auch eher langsamere
oder wenig Popige Lieder, was sich in der zweiten Hälfte ändern sollte. Leider
sehr zu meinem Mißfallen.
Wie ich im nachhinein
erfahren habe, hat er gerade "Just the way you are" (und Uptown Girl)
ausgelassen. Gerade Just the way :-(.
Aber es
waren einige interessante Lieder dabei: Everybody loves you now, Keep the Faith,
Zansibar, Always a women und The Entertainer.
Auch hatte er Gastmusiker
eingeladen um zwei Stücke zu spielen: The Downeaster Alexa und (Entertainer?)
Der eine mit der
Ziehharmonika spielte allerdings auch noch bei einem dritten Lied mit.
Als er die beiden auf die
Bühne rief, hatte der eine, keine Geige. Entweder haben sie ihm keine hingelegt
(auf die Bühne) oder
es war ein netter Gag. Oder ich
habe mich nur getäuscht ;-).
Denn statt The Downeaster
Alexa spielten sie ein anderes Lied (Entertainer?).
Der Zieharmonika Spieler
hieß Kryztof und Billy machte sich über seinen Namen lustig, weil er dannach
immer "Gesundheit" sagte.
Hat ihn ziemlich amüsiert, da er
dies in weiterer Folge wiederholte.
Zu The Downeaster Alexa
erzählte er, wo er aufgewachsen sei (Long Island) und die Geschichte der small
Community von Fischern
und ihrer tristen Lage (ich
glaube er erwähnte, daß es jetzt etwas besser sei als damals).
Ich kenne ein paar Live
Lieder von besagtem Lied, und meistens wurde der Violinen Part von einer Gitarre
(Tommy Byrnes) übernommen.
Wenn man jedoch die
Darbietung im New York Yankee Stadium (DVD) kennt, mit Lisa Germano, dann war
dies die Beste vorgetragene Version, so konnte die in der Stadthallte gespielte
leider nicht, auch nicht mit der Gitarrenversion, mithalten. Es tat richtig weh
was dieser Herr (mit tschechischem Namen) daherfiedelte. Leider. Trotz allem,
ein tolles Lied.
Eine kleine Hommage an
Österreich erwies er uns mit einem kurzen Klaviersolo des Donauwalzers :-)
Und obwohl er auch Vienna
live spielte, ging mir irgendwie seine Aussage bzw. Erklärung zu Wien/Österreich
ab.
Ich bin gespannt ob er in
Deutschland mehr sagen wird, schließlich hat er hier noch mehr Bezug bzw. seine
Wurzeln.
So mit Beginn des zweiten
Drittels kündigte er einen Mann an, der sonst nur im Hintergrund arbeitete und
das dieser es einmal verdienen würde
auch im Rampenlicht zu
stehen und man ihm eine Chance geben sollte (Angeblich mit einem Gospelsong?).
Ich erwartete mir ein
schmächtiges Bürschchen, einen Cable Guy, doch in "Wirklichkeit" hieß er
Chainsaw (Kettensäge) und sah auch genau so aus ;-). Etwas beleibter, 180 groß,
Tattoos und mit einem T-Shirt bekleidet. Von der Stimme her kam er sehr gut an
den AC/DC Frontman
Agnus Young heran. Und
für dieses Stück war er wohl wirklich besser geeignet als Billy ;-).
Dieser schnappte sich die
Gitarre und spielte Highway to hell (von besagter Gruppe).
Auch wenn zu Billy Joel
ein anderes Publikum kommt als zu AC/DC, Iron Maiden, Mötley Crew &Co. aber hier
ging das Publikum so richtig mit.
Die grellen und heißen
Lampen taten ein übriges, um sich wie in der Hölle zu fühlen <veg>
Ich zitiere auch hier wieder Clemens Stadlbauer von Ö3 weil er es
so gut geschrieben hat:
"hat sich der
begnadete Pianist eine Gitarre geschnappt und eigenhändig die ersten
Riffs von "Highway to Hell" in die Halle gedonnert. Woraufhin diese kollektiv
ausgerastet ist. Wobei man wissen muss, dass das Publikum durchwegs gut situiert
und eher Oberschicht war. Ein kleiner Vorgeschmack auf ein großes Konzert.
Hoffentlich. Nächstes Jahr. AC/DC live in Österreich. Bitte. Und im Idealfall
spielen sie dann
auch einen Song von Billy Joel."
Big Shot. Im letzten
Drittel des Liedes parodierte Billy einen Rapper. Witzig wenn ein fast Pensionär
mit 58 einen jungen 50Cent/Eminem/Snoop Dog
imitiert. War einmal was
anderes und doch passend. Wer weiß wie seine Songs, Remixed, heute ankommen
würden? Remix by William Orbit/Shep Pettibone <g>.
Eine Einlage die ich
recht witzig fand, war so gegen Ende der Show, als er stand und die fetzigeren
Lieder kamen, als er mit dem Mikrophon boxtet Eine kleine Remineszens an alte
Boxer Tage.
Er drehte es mit seiner Hand, wirbelte es in die Luft und warf es gegen Ende des Liedes einem Techniker zu.
Das Piano Man das letzte Lied nach ca. 2 ½ Stunden war, und das die Leute (the Crowd) mitsangen, braucht wohl nicht extra erwähnt werden.
Schon eher, wenn er statt
”It's a pretty good crowd for a Saturday”
”It's a pretty good crowd for a Stadium” (Live at Yankee DVD) oder eben wie hier, in Austria,
”It's a pretty good crowd for the Austrians” singt.
Und nach diesen Textzeilen “To forget about life for a while” gab es auch einen zustimmenden Beifall!
Doch leider ;-), außer Senk Yu und ein paar
mal winken, vermißte ich
die legendären Worte:
Don't take any shit from anybody...
Mit den Worten des österreichischen Kaisers (Franz Josef), „Danke es war sehr schön es hat mich
sehr gefreut” und der Textzeile von Herrn William Martin Joel “
To forget about life for a while”
möchte ich meinen Konzertbericht beschließen.
